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Google Possum Update

Das neue Tier im SEO-Zoo: Googles Possum-Update

Seit dem 1. September 2016 diskutiert die SEO-Welt über größere Veränderungen in den Ergebnissen der lokalen Google-Rankings. Der Grund dafür ist das neueste Google-Algorithmus-Update mit dem klangvollen Namen Possum. Auf welche Änderungen müssen sich Webseitenbetreiber jetzt einstellen?

Panda wird Core, Possum rückt nach

Googles Panda ist SEOs und Content-Marketing-Experten auf der ganzen Welt ein Begriff, und das nicht erst seit dem letzten Update auf Version 4.2 im Juni 2015, das die Google-Rankings vieler Webseiten ordentlich durcheinanderwirbelte. Nachdem Google Anfang dieses Jahres nun die Integration des Bambusbären in den Core-Algorithmus bestätigt hatte, rückt aktuell ein neues Tier in den Fokus von Website-Betreibern und SEO-Experten: das Opossum.

Warum eigentlich Possum?

Die großen Suchalgorithmus-Updates erhalten bei Google schon seit Jahren süße Tiernamen. Aber während wir von Pandas, Pinguinen und selbst vom kleinen Kolibri schnell ein Bild vor Augen haben, sieht das beim Opossum schon anders aus. Mit etwas Glück bekommt man das in Nord- und Südamerika beheimatete Beuteltier vielleicht im Zoo zu Gesicht, aber allzu viel Berühmtheit genießt es hierzulande nicht. Warum leiht also gerade dieses Tier dem neuen Google-Update seinen Namen?

Die Antwort ist in einer speziellen Eigenschaft des Opossums zu suchen: Bei Gefahr stellt es sich kurzerhand tot. Die SEO-Community taufte das Algorithmus-Update inoffiziell auf den Namen Possum, nachdem viele Unternehmer ihre Google-MyBusiness-Einträge in den lokalen Suchergebnissen vermissten. Bislang erschien ein Eintrag in MyBusiness meist werbewirksam auf den oberen Plätzen in Google und Google Maps für Suchanfragen mit passendem lokalem Bezug wie etwa »Fahrschule Berlin« oder »Antiquariat München«. Doch die Einträge sind nicht einfach verschwunden, sie wurden durch die neuesten Änderungen im Suchalgorithmus lediglich herausgefiltert und werden für bestimmte Keywords nicht mehr angezeigt. Sie stellen sich quasi tot – wie ein Opossum eben.

Possum schlägt lokal zu

Über 200 verschiedene Ranking-Faktoren entscheiden bei Google über die Relevanz und die Qualität jeder einzelnen URL in Bezug zu den Keywords, die der Nutzer eingegeben hat. Während sich Panda, Penguin und Co. aber hauptsächlich auf die Qualität der organischen Suche, also der normalen Suchergebnisse in Google auswirken, beeinflusst Possum seit Kurzem die Ergebnisse der lokalen Suche und Google Maps.

Sucht ein Nutzer beispielsweise nach Läden oder Dienstleistungen in seiner Nähe oder in einer bestimmten Stadt, zeigt Google ihm lokale Ergebnisse an, die am besten zu seiner Suche passen. Diese erscheinen an verschiedenen Stellen in der Google-Suche und in Google Maps. Auch wenn ein Nutzer lediglich einen generischen Suchbegriff wie zum Beispiel »indisches Restaurant« eingibt, geht Google automatisch davon aus, dass sich der User für Restaurants in seiner Nähe interessiert. Die Suchergebnisse zeigen dann als erstes einen Kartenausschnitt mit den drei relevantesten Lokalen im Umkreis, das sogenannte 3-Pack. Mit einem Klick auf den Erweiterungsbutton der 3-Pack-Box gelangt man zum Local Finder, der weitere passende Unternehmen in der Kartenansicht darstellt.

Genau darauf – auf das 3-Pack und den Local Finder – hat es Possum abgesehen. Wie bei Google üblich, dient auch das neue Tier im SEO-Zoo ganz dem User und dessen Zufriedenheit. Denn ähnlich wie Panda soll Possum wenig relevante oder doppelte Inhalte sowie Spam an einem Ranking auf den oberen Plätzen in den SERPs hindern. Aber wie genau wirkt sich das possierliche Tierchen nun auf die Local Search aus?

1. Aus den Augen, aus dem Sinn – oder doch nicht?

Über Possum freuen können sich vor allem Unternehmer, deren Geschäft sich knapp außerhalb der Gemeindegrenzen einer größeren Stadt befindet. Diese hatten es bislang nämlich schwer, als Suchtreffer für Keywords zu ranken, in denen der Name der Stadt vorkommt. Google konzentrierte sich in seinen SERPs viel stärker auf Unternehmen, deren Postadresse sich direkt in der gesuchten Stadt befand, auch wenn der Weg zur Autowerkstatt oder zum Schuhgeschäft knapp hinter der Stadtgrenze für den Nutzer möglicherweise viel kürzer oder deren Service viel relevanter für die Suche gewesen wäre.

Seit dem Possum-Update erscheinen solche Unternehmen weiter vorn im Ranking, wenn sie für den User als interessanter erachtet werden. Google geht nun also
noch stärker auf die vermeintlichen Wünsche des Nutzers ein und interpretiert ein Ergebnis nicht länger als weniger relevant, nur weil die Adresse des Unternehmens nicht innerhalb der topografischen Stadtgrenzen liegt.

2. Wer mit wem – Google hat den Durchblick

Wie es bei jedem Google-Update bestimmte Gewinner gibt, die von den Änderungen im Algorithmus profitieren, gibt es auch immer die Verlierer, deren Einträge plötzlich schlechter ranken als zuvor – oder überhaupt nicht mehr. So ergeht es seit Possum vor allem Seiteneinträgen, die sich dieselbe Postanschrift teilen.

Suchte man bisher etwa nach Fachärzten in der Umgebung, war es nicht unüblich, dass unter den ersten Suchergebnissen mehrere Ärzte auftauchten, die bei näherem Hinsehen alle in derselben Praxis tätig waren. Zusätzlich zu den Ergebnissen der einzelnen Ärzte fand sich häufig auch noch der Eintrag der Gemeinschaftspraxis selbst. Dieses Vorgehen ist für den User jedoch selten sinnvoll – wer möchte bei der Suche nach einem Arzt oder Anwalt schon zehnmal dieselbe Adresse vorgeschlagen bekommen?

So, wie Google doppelte oder sehr ähnliche Ergebnisse, sogenannten duplicate Content, aus seiner organischen Suche herausfiltert, geschieht dies nun auch bei den Ergebnissen im Local Finder. MyBusiness-Einträge in derselben Branchenkategorie mit gleicher Anschrift erkennt Google als zusammengehörig und zeigt in den SERPs nur noch einen davon an – das kann allerdings auch dann passieren, wenn zwei voneinander unabhängige Unternehmen derselben Branche im selben Bürogebäude zu finden sind. Erst wenn der User weiter in die Karte hineinzoomt, werden auch die herausgefilterten Einträge wieder sichtbar.

Welcher der übereinstimmenden Einträge jeweils in den Top-Ergebnissen erscheint, kann dabei je nach gesuchtem Keyword unterschiedlich sein. Beispielsweise kann die Gemeinschaftsarztpraxis für die Suche nach »Zahnarzt Berlin« ranken, während das Profil des einzelnen Arztes für das Keyword »Zahnaufhellung« erscheint, weil der Arzt diese Behandlung anbietet. Google scheint aber noch weit mehr Kriterien zur Beurteilung heranzuziehen als nur Telefonnummer und Adresse. So wird offenbar auch erkannt, wenn zwei getrennte Unternehmen mit unterschiedlichen Standorten denselben Besitzer haben oder wenn sie trotz unterschiedlicher Straßennamen im selben Gebäudekomplex liegen.

3. Immer am Ort des Geschehens – der Standort des Users wird noch wichtiger

Dass der Aufenthaltsort des Nutzers bei der lokalen Suche eine wichtige Rolle spielt, ist nicht wirklich verwunderlich. Doch mit Possum wird dem Standort sogar noch mehr Bedeutung zugeschrieben als bisher. So kommt es vor, dass ein Nutzer in Berlin für seine Suchanfrage nach »Schuhgeschäft Berlin« andere Top-Ergebnisse angezeigt bekommt als ein User in Hamburg, der für seinen bevorstehenden Berlin-Aufenthalt ebenfalls nach dortigen Schuhläden sucht. Je weiter sich der Suchende von der gesuchten Stadt entfernt, desto weiter zoomt auch Google Maps aus der Karte heraus und filtert andere Ergebnisse.

Wollen Unternehmer das Ranking ihrer eigenen Einträge tracken, ist es nun also umso wichtiger, dass die Einstellung für den Standort der Suche mit dem Suchort der Zielgruppe übereinstimmt, andernfalls erhält man unter Umständen völlig unterschiedliche Rankings.

4. Keyword ist nicht gleich Keyword

In der Vergangenheit war es normal, dass Google für sehr ähnliche Suchanfragen auch ähnliche Ergebnisse ausspuckte. Die SERPs für Keywords wie »Gebrauchtwagenhändler Hamburg«, »Hamburg Gebrauchtwagenhandel« und »Gebrauchtwagenhändler HH« konnten somit unter Umständen gleich ausfallen.

Mit Possum scheint das nun nicht mehr zu gelten. Schon kleine Änderungen in den Keywords können große Auswirkungen auf die Einträge im 3-Pack haben. Während ein Unternehmenseintrag bei der Suche nach »Gebrauchtwagenhändler Hamburg«
ganz oben erscheint, kann er für das Keyword »Gebrauchtwagenhändler HH« komplett herausgefiltert werden und umgekehrt.

Für alle Variationen eines Keywords gleichermaßen weit oben zu ranken, wird damit wesentlich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich. Möglicherweise kann es in Zukunft daher sinnvoller sein, einen Eintrag nur für eine bestimmte Variante zu optimieren, beispielsweise für das Keyword mit dem größten Suchvolumen.

5. Mehr Unabhängigkeit vom organischen Suchfilter

Auch Unternehmer, deren Webseiten bislang in der organischen Suche von Google nicht gelistet wurden, etwa weil die Seite einer anderen zu ähnlich ist oder nur wenig hochwertigen Content enthält, können sich über das Possum-Update freuen. Denn bisher wurden Unternehmenseinträge, die auf solche gefilterten oder schlecht rankenden Seiten verwiesen, auch nicht im 3-Pack angezeigt – das ändert sich dank Possum nun.

Das Opossum macht die lokale Suche unabhängiger vom organischen Suchfilter; ein weniger prominenter Platz in den organischen Ergebnissen hat weniger Einfluss auf die Local Searches. So könnten ab jetzt zum Beispiel auch kleinere Geschäfte für lokale Suchanfragen ranken, die kein großes Budget für regelmäßigen hochwertigen Content und die SEO-Optimierung ihrer Webseiten aufbringen können.

Possum ist da – und nun?

Mit diesen zum Teil einschneidenden Änderungen dürfte Possum das wohl größte Update am Local-Algorithmus seit 2014 sein, als Pigeon für Diskussionen sorgte – und es zeigt, dass die Google-Maps-Optimierung für Unternehmen immer bedeutender wird. Nicht nur die Generation der Digital Natives nutzt immer öfter Googles Umkreissuche oder sucht auf mobilen Endgeräten nach Geschäften und Dienstleistern in ihrer Nähe, auch die älteren Generationen nutzen immer öfter die praktischen Touchscreens und Smartphones.

Und auch Google selbst spielt zunehmend lokale Suchergebnisse für eingegebene Keywords aus. Die prominente Darstellung der drei besten Einträge in der Karte am Kopf der Seite ist besonders auffällig und wird umso häufiger geklickt oder angetippt. Das führt nicht nur zu deutlich mehr Traffic auf der Unternehmenswebseite, sondern auch direkt im örtlichen Geschäft – etwas, das sich kaum ein lokaler Händler oder Dienstleister entgehen lassen kann, der im Wettbewerb um Kunden und Reichweite mithalten will. Wer sich bisher nicht weiter um seine MyBusiness-Einträge gekümmert hat, sollte also spätestens jetzt damit beginnen.


Bild: pixabay